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still


Claus Goedicke, Blutkonserve (from: Some Things), 2009



Evelyn Hofer, Calder’s Strainer and Insect, Roxbury, 1976



Laura Letinsky, Untitled #4 (The Fall),, 2009

still

Claus Goedicke, Laura Letinsky und Evelyn Hofer


7. August - 23. Oktober 2010

Am Freitag, dem 3. September ab 19 Uhr, laden wir herzlich zu einer Begegnung mit Claus Goedicke und Laura Letinsky in der Ausstellung ein


Die Galerie m Bochum blickt nach der Ausstellung Do you see me?, die sich dem Portrait widmete, mit still auf eine weitere klassische Gattung der Kunst – dem Stillleben. Sie zeigt Werkgruppen von Claus Goedicke, Laura Letinsky und Evelyn Hofer (6.8. - 23.10.2010).
still – Der Titel der Ausstellung wird gleich in drei Sprachen als Bestandteil des Gattungsbegriffes Stillleben / stil leven / still life verwendet: das Deutsche, Niederländische und Englische nutzt seit dem 17. Jahrhundert diese Bezeichnung für die Darstellung von unbelebten Gegenständen. Die flämischen und holländischen Meisterwerke präsentieren Arrangements unbewegter und vergänglicher Kostbar- und Köstlichkeiten und gemahnen den Betrachter so an die Endlichkeit des Lebens. Seit jeher gilt das Stillleben jedoch auch als Ort, die Kunstfertigkeit in Perspektive, Lichtführung, Komposition und Farbgebung unter Beweis zu stellen. Die Fotografien der Ausstellung offenbaren die Vielschichtigkeit und die Aktualität des Genres Stillleben.

Claus Goedickes (*1966 Köln) Bild-Protagonisten sind z.B. eine Möhre, ein benutzter Spüllappen oder eine Blutkonserve. Zentral werden diese in seinen großformatigen Fotografien auf bekannten, aber nicht näher spezifizierten Untergründen platziert. Die Konzentration auf ein einzelnes Alltagsobjekt erlaubt dem Betrachter einen verblüffenden Blick auf Objekte, die wir in dieser übergroßen, präzisen Weise so niemals als Ganzes oder in ihren vielen Details betrachten. Wir sind konfrontiert mit unserem Verständnis von den Dingen, unserem Verhältnis zu ihnen, Erinnerungen und Assoziationen. Die Ware wird so zum Untersuchungsgegenstand ihrer materiellen Präsenz, ihrem symbolischen Gehalt und ihrer persönlichen Geschichte.

Während die „Einzelgänger“ auf Claus Goedickes Fotografien einheitlich, mit einem neutralen Licht und in einem monochromen, den Objekten entsprechenden, Umfeld präsentiert werden, setzt Evelyn Hofer (*1922 Marburg a.d. Lahn (Germany), † 2009 Mexico City) kunstvoll Licht und Schatten ein, um die Plastizität der Gegenstände und Früchte in ihren Fotografien zu inszenieren. Ihre der Perfektion zustrebenden Kompositionen sind gepaart mit einer ebenso perfekten Technik der Aufnahme und des Abzugs im Dye Transfer-Verfahren. Hofer setzt ihre Feldfrüchte und Obststücke in einen Dialog mit Vasen und Schalen, Holz und Samt und führt so auch Sehstücke der mattierten, strukturierten oder purpurschwarz glänzenden Oberflächen, Volumina und Farben vor. Ihre Arrangements erinnern an die klassischen, ausgewogenen Kompositionen Francisco de Zurbaráns, ein Stillleben von Evelyn Hofer ist gar eine Hommage an den spanischen Maler. Das Ergebnis ist sinnlich und irritierend zugleich: Wann je wollte der Betrachter in das Bild nach Kirsche oder Apfel greifen...

Die kanadische Fotografin Laura Letinsky (*1962) richtet einen zeitgenössischen Blick auf die Charakteristika der holländischen und flämischen Tischstücke des 16. und 17. Jahrhunderts. Ihre Stillleben zitieren die aufgebrochenen Pasteten, geschälten Zitronen, die an der Tischkante platzierten Glaskelche und kippelnde Teller der banketjes. Auf ihren wie nach einem Fest verlassenen Tafeln, begegnen sich jedoch nicht nur edles Tafelsilber, exotisches Obst und Meeresfrüchte – auch Zivilisationsabfall droht auf den scheinbar ins Endlose reichenden Tischen haltlos herab zu gleiten. Licht und Perspektive fördern den irritierenden Eindruck des Schwebens in Zeit und Raum. Die Wirkung der offensichtlich inszenierten Arrangements glänzender, glitschiger, weicher, künstlicher und natürlicher Objekte schwankt zwischen Poesie, Skurrilität und einem tieferen Sinn. Laura Letinskys Bilder sind Bilder des angehaltenen Moments, die das Genre Stillleben in die Gegenwart übertragen.