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Dirk Reinartz (1947-2004) zu Ehren
Eine Ausstellung in 7 Folgen


 


Dirk Reinartz, 2000













































Wuppertal, Bismarck, 1991
aus: Bismarck




Welcome to Bismarck, 1998
aus: Bismarck in America






Elbufer Grünendeich, 1979
aus: Kein schöner Land



o.T., 1989-2002
aus: Innere Angelegenheiten



Klingelbrett, Hochhaus, Hamburg 1981
aus: Besonderes Kennzeichen:Deutsch



Brodten, Ostsee 1992/96
aus: Deutschland durch die Bank



Richard Serra




New York, 1974









Afangar, 1991









Auschwitz II/Birkenau, Innenraum einer Ziegelbaracke, 1993

10. November - 9. Dezember 2006
Bismarck
Bismarck in America


13. Dezember 2006 - 13. Januar 2007
Deutschland durch die Bank
Besonderes Kennzeichen: Deutsch


20. April - 19. Mai 2007
Kein schöner Land
Innere Angelegenheiten


23. Mai - 27. Juni 2007
Portraits
Künstlerportraits


15. September - 13. Oktober 2007
New York, 1974

17. Oktober - 24. November 2007
Richard Serra – Skulpturen

30. November 2007 - 27. Januar 2008
totenstill


Die Ausstellung „Dirk Reinartz. Bismarck – Bismarck in America“ im Fotokabinett der Galerie m Bochum bildet den Auftakt zu einer umfangreichen Ausstellungsreihe, die dem Werk des Fotografen Dirk Reinartz gewidmet ist.

Als Autorenfotograf hat er zahlreiche Bildbände im Steidl Verlag publiziert, deren Fotografien in den einzelnen Ausstellungen gezeigt werden. Mit dem bedeutenden Zyklus „totenstill“ über ehemalige Konzentrationslager wurde Reinartz international bekannt. Die Ausstellung einer Auswahl aus dieser beeindruckenden Serie, die gleichzeitig die Ausstellungsreihe zu Ehren des Fotografen beschließt, endet am 27. Januar 2008 – dem Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz befreit wurde.

Der 1947 in Aachen geborene und 2004 verstorbene Fotograf Dirk Reinartz studierte zunächst Fotografie bei Otto Steinert an der Folkwangschule in Essen bevor er 1971 seine Karriere als jüngster Reportagefotograf in der Redaktion des Stern begann. Als freier Fotograf schloss er sich 1977 der Fotografengruppe VISUM an, von der er sich 1982 wieder trennte, um fortan unabhängig zu arbeiten. Seine Arbeit drehte sich vor allem um soziale Themen sowie Künstlerportraits und erschien in allen großen Magazinen, u.a. Life, Der Spiegel, das SZ-Magazin, das Zeit-Magazin und Art. Seit 1985 publizierte Dirk Reinartz seine Fotografien in Buchform - zahlreiche Bildbände erschienen. Ein Schwerpunkt seiner fotografischen Arbeit bestand in der Auseinandersetzung mit Deutschland. In Zusammenarbeit mit Richard Serra, dessen Skulpturenprojekte er weltweit dokumentierte, entstanden mehrere Bücher, die das Werk dieses Bildhauers auf eindrucksvolle Weise dokumentieren. Reinartz lehrte zuletzt an der Muthesius-Hochschule in Kiel Fotografie.




Bismarck in America
Otto von Bismarck hat wie kaum ein anderer Staatsmann seinen Platz im öffentlichen Raum in Deutschland gefunden. Nahezu in jeder Stadt, häufig an zentraler Stelle, sind die meist überlebensgroßen Denkmäler zu finden, die überwiegend im 19. Jahrhundert aufgestellt wurden. Mittlerweile hat sich das Stadtbild vielerorts grundlegend verändert. Dirk Reinartz gelingt es auf subtile Art und Weise, die Wechselwirkung zwischen Denkmal und Umgebung zu veranschaulichen. An manchen Stellen wirken die historischen Zeugnisse deplaziert bzw. sogar skurril. Es kommt häufig zu einer Verfremdung des Objekts, dem Verlust seines Symbolwerts im heutigen Bewusstsein. In diesem Sinne können diese Fotografien als Anreiz dienen, den Umgang mit Kulturgut innerhalb des öffentlichen Raumes zu reflektieren.


Bismarck
Zahlreiche Straßen und öffentliche Gebäude tragen den Namen Otto von Bismarcks. So auch eine Stadt im Nordwesten der USA, die Dirk Reinartz auf Wetterkarten im US-amerikanischen Fernsehen aufgefallen war. Den 100. Todestag von Bismarck nahm der Fotograf zum Anlass, diese Stadt gemeinsam mit dem Autor Wolfram Runkel zu besuchen und zu fotografieren. Die Fotografien, die im Jahr 2000 in einem Bildband mit dem Titel Bismarck in America veröffentlicht wurden, zeigen eine typisch amerikanische Kleinstadt, in der zwar kein Denkmal des preußischen Politikers zu finden ist, dessen Name dennoch allgegenwärtig erscheint. Dirk Reinartz verzichtet auf spektakuläre Motive und artifiziell wirkende Inszenierungen; er nähert sich seinem Thema mit dem Blick eines neugierigen Passanten, der seine Umgebung geduldig erkundet. Die Ausgewogenheit des Bildausschnitts und die Ordnung des Bildaufbaus spiegeln den Charakter der Stadt in besonderer Weise wieder.


Kein schöner Land
Die Fotografien aus der Serie Kein schöner Land entstanden im Zeitraum zwischen 1978 und 1987. Im gleichnamigen Buch von 1989 beschreibt Norbert Klugmann die „öffentlichen Verwüstung der Bundesrepublik“, die uns den „Anblick geschundener Häuser und toter Gärten“ bescheren und die wir nur noch ertragen, weil wir gelernt haben, das alles zu übersehen. Diese „kalt-brutale Bau-Unkultur“ ist in den Schwarzweiß-Fotografien von Dirk Reinartz stets präsent. Er hat die „Angst vor der Anarchie des Blattgrüns“ genauso dokumentiert wie die städtebaulichen Maßnahmen, die aus einem tief sitzenden Bedürfnis nach Kontrolle und Ordnung zu resultieren scheinen.



Innere Angelegenheiten
Diese Bestandsaufnahme, die er in seiner späteren Serie Innere Angelegenheiten (1989-2002) in Farbe weiterführte, bietet uns neue Blicke auf die Wirklichkeit und bezieht gleichzeitig Stellung. Dirk Reinartz begriff seine Fotografie als Werkzeug und Medium, um Wirklichkeit zu reflektieren.








Besonderes Kennzeichen: Deutsch (um 1980)
1990 entstand der Bildband Besonderes Kennzeichen: Deutsch. Die Ausstellung in der Galerie m zeigt Fotografien aus der Reportage Von Tür zu Tür im Hochhaus. Porträt eines Wohnbunkers, die den sozialen Wohnungsbau am Rande einer deutschen Großstadt auf sehr persönliche Art und Weise beschreiben.









Deutschland durch die Bank (1992-1996)
Deutschland durch die Bank ist eine zum Teil skurrile und humorvolle Dokumentation deutscher Sitzkultur im öffentlichen Raum. In seinen Fotografien von Bänken und Sitzgelegenheiten schärft Dirk Reinartz wie auch mit anderen Projekten unser Bewusstsein für einen Gegenstand, der ein selbstverständlicher Teil unserer Alltagswelt ist.







Portraits / Künstlerportraits
Dirk Reinartz fotografierte in den 80er und frühen 90er Jahren bildende Künstler. Dabei sind ihm eindringliche Portraits gelungen, die gleichsam ernsthaft, sensibel und humorvoll Person und Werk festhalten. Mit seiner aufmerksamen aber auch entspannten Art schuf Reinartz Momente der Vertrautheit. Künstler wie Joseph Beuys, Hans Hartung, Emil Schumacher oder Meret Oppenheim blicken ebenso vertraut zurück, bewahren in ihren Portraits aber gleichzeitig ein Geheimnis gegenüber der Kamera.
Die Fotografien entstanden jeweils im Auftrag für das Art Kunstmagazin. Das erste Buch mit 114 Künstlerportraits erschien 1992 im Steidl Verlag.


New York, 1974
Die während zweier privater Reisen im Jahr 1974 in New York entstanden Fotografien, sind als vollständige Serie zu sehen. Damals war der 27-jährige als jüngster Fotoreporter für den Stern tätig. Dirk Reinartz’ wacher Sinn für den Rhythmus und die Architektur Manhattens, sein humorvoller und doch präziser Blick auf die Menschen in der Stadt, sein Verständnis für Komik und Tragik zugleich, lassen ein vielfältiges und faszinierendes Bild des New York der frühen 70er Jahren entstehen.
Er hatte die Fähigkeit, die überwältigende Architektur des Stadtbildes mit ihren Wolkenkratzern, Häuserschluchten und Baustellen ebenso ins Visier zu nehmen, wie nahe liegende Details der Straßen und Viertel mit den Menschen darin - er ist damit dem Genre der „Streetphotographie“ im besten Sinne verpflichtet. Reinartz gelang es mit dieser Serie auch, die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung in den 70ern, die durch Ölkrise, Vietnamkrieg, der damit einhergehenden Rezession und steigenden Arbeitslosigkeit, sowie politische Skandale geprägt war, im Bild zu bannen.


Richard Serra – Skulpturen
Mit dieser Ausstellung lenkt die Galerie m den Blick auf die jahrelange Zusammenarbeit der beiden Künstler Dirk Reinartz und Richard Serra. 1983 lernten sich der Fotograf und der Bildhauer kennen und schätzen. Seitdem, bis zu seinem unerwarteten Tod 2004 fotografierte Reinartz weltweit Serras Landschaftsinstallationen und Skulpturen im öffentlichen Raum. Seine präzisen schwarz/weiß Fotografien wurden zur Grundlage der Skulpturenbücher, die Reinartz in enger Zusammenarbeit mit Serra realisierte, z.B. „Afangar“, 1991, „La Mormaire“, 1997 oder „Lemgo Vectors“, 1998. Für das Werkverzeichnis „Sculpture 1985-1998“ reiste Reinartz schließlich lange Jahre zu den verschiedensten Skulpturen-Installationen weltweit, um diese für die heute seit langem vergriffene Publikation zu dokumentieren.
Richard Serra formulierte dies in einem Gespräch mit Lynn Cook, anäßlich seiner Retrospektive im Sommer 2007 im MOMA New York so: „Photography is an extension of my eye. Dirk Reinartz became an eye for me. We travelled together a lot and I miss working with him.“


totenstill, 30. November 2007 - 27. Januar 2008
1994 erscheint Dirk Reinartz' Fotodokumentation totenstill, eine fotografische Auseinandersetzung mit dem Holocaust, die sowohl Erinnerung als auch Reflexion der Gegenwart ermöglicht.
Über einen Zeitraum von acht Jahren fotografiert Dirk Reinartz in 26 ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern. Die Dokumentation ihres heutigen Zustandes zeigt, dass das Befremdliche nicht in den unmittelbar vereinnahmenden Motiven liegt, sondern in der Alltäglichkeit und scheinbaren Bedeutungslosigkeit von Waldstücken, Wiesen, Straßen, überwucherten Mauerresten. Hier vermittelt sich die unwiderrufliche Beklemmung über das Wissen, dass diese Orte in einem Konzentrationslager fotografiert wurden.
totenstill wurde als Ausstellung erstmals 1994 in der Galerie m Bochum gezeigt und war seitdem weltweit in 20 Museen zu sehen. Das gleichnamige Buch ist im Steidl Verlag, Göttingen erschienen.

Die Ausstellung totenstill beschließt die im November 2006 begonnene Ausstellungsfolge zu Ehren des Fotografen Dirk Reinartz. Zudem trägt sie dazu bei, anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.