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Jan Wawrzyniak

Continued Drawing



Ohne Titel (13025), 2013
Kohle auf Baumwollgewebe auf Holz
2tlg., je 80 x 110 cm






Broken Drawing, 2013
Kohle auf Papier, Holzrahmen, Glas, Wand
ca. 100 x 140 cm

Die Galerie m Bochum zeigt vom 17. Januar bis zum 5. April 2014 neue Werke von Jan Wawrzyniak (*1971, Leipzig).
Kohle und Leinwand sind die Grundelemente, mit denen der in Berlin lebende Künstler ungegenständliche Bildgefüge aus weißen, grauen und schwarzen Linien und Flächen entwirft. Sie regen den Betrachter unvermeidbar und immer wieder neu an, in einem Wechselspiel aus Rationalität und Intuition räumliche Gefüge zu entwickeln. In den jüngsten Arbeiten wird die Bildsprache um vieleckige Formen der Leinwände, mehrteilige Installationen sowie neues Material erweitert: Zum einen nutzt Wawrzyniak verglaste Holzrahmen und Papier um in den Broken Drawings die Zeichnung über die verschiedenen Bildebenen hinweg bis auf die Wand laufen zu lassen. Zum anderen schneidet er gezielt Leinwandfragmente aus zuvor verworfenen Bildern, die als Lost Drawings direkt auf die Wand montiert werden und mitunter in den Raum hineinragen. Wawrzyniaks Arbeiten lassen sich so weder einer künstlerischen Gattung zuordnen, noch fügen sich die Linien, Formen und Flächen zu Körpern oder kohärenten Räumen zusammen. Stattdessen vereinen sich hier zugleich malerische, zeichnerische und in jüngster Zeit sogar raumgreifende, skulpturale Qualitäten zu Bildkörpern, von denen ein reiches Sehangebot ausgeht.

Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei monumentale Triptychen aus vieleckigen, asymmetrischen Leinwänden. Vielfältige Raumvorstellungen entwickeln sich hier sowohl aus den Gefügen der Flächen jeder einzelnen Leinwand, als auch zwischen den einzelnen Bildelementen einer Arbeit und über sie hinweg. Es beginnt ein unaufhörlicher Anschauungsprozess, in dem Flächen nach vorn kippen, Räume sich auftun und wieder schließen.
In Jan Wawrzyniaks Broken Drawings hat es der Betrachter dagegen mit Holzrahmen, Glas, Linien und Papier zu tun, die in teilweiser Transparenz über- und voreinander liegen, sich also tatsächlich auf unterschiedlichen Bildebenen im Raum befinden. Damit entzieht sich die Ganzheit des Werkes, die zunächst gegeben scheint, dem Blick: Welches Element auch ins Auge gefasst wird, zwangsläufig geraten Elemente der anderen Bildebenen aus dem Fokus.
Darüber hinaus stellen die Broken Drawings die Abgeschlossenheit und Einheit von Kunstwerken generell in Frage, die sich seit jeher insbesondere in der Rahmung manifestiert. Wawrzyniak versteht diesen hier nicht mehr als Randmarkierung, die das Werk nach außen abgrenzt, sondern als Bildelement, das nun innerhalb des Werkes seinen Platz hat. Die Broken Drawings verweigern sich somit nicht nur in der Tiefe einer räumlichen Verortung, sondern auch auf der Fläche einer klaren Umgrenzung.

Dieser Aspekt der stetigen Veränderung und prekären Instabilität geht über das rein Formale hinaus. Wawrzyniaks Werke führen erfahrbar vor Augen, wie sehr unsere Wahrnehmung auf Stabilität und Klarheit angelegt ist. Letztendlich ist es genau das, was uns an den Werken Wawrzyniaks fesselt und nicht mehr los lässt: Die Sehnsucht nach Stabilität und Eindeutigkeit, die hier verweigert wird. So betrachtet, eröffnen die Werke nicht nur den Weg für eine Beschäftigung mit den eigenen Wahrnehmungsmechanismen in Anbetracht von Kunstwerken, sondern auch für eine Reflektion der Erwartungen, Erfahrungen und Irritationen auf allen Ebenen des Lebens und der Gesellschaft.