News
Ausstellungen
Künstler
Publikationen
m Extra
Kontakt
Impressum
zurück zur Übersicht Pressetext   Press Release  
Melanie Manchot
11/18 (2015)












Die Galerie m Bochum zeigt vom 20. Mai bis 19. August 2017 eine 9-Kanal- Filminstallation der in London lebenden deutschen Künstlerin Melanie Manchot (*1966). 2008 begann Manchot für das Werk „11/18“ ihre damals 11jährige Tochter in regelmäßigen Abständen mit einer Super 8-Kamera zu filmen. Das Projekt endete mit der Volljährigkeit der Porträtierten. Die Filme dokumentieren die Entwicklung vom Kind zur Erwachsenen. Neun im Raum positionierte Röhrenmonitore zeigen Sequenzen aus diesen über sieben Jahre hinweg entstandenen Filmen.

Für das ungewöhnliche Filmporträt „11/18“ filmte Manchot ihre Tochter jeweils eine Minute im Monat und wählte hierbei den immer gleichen Ausschnitt eines Schulterporträts; der Hintergrund ist stets monochrom gehalten, bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen. Die Kamera ist frontal und statisch auf das Mädchen gerichtet. Die Künstlerin entschied sich für einen schwarz-weißen Super 8-Film und verzichtete auf Ton, wodurch sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Mimik und Gestik richtet.

„11/18“ steht in der Tradition von Andy Warhols „Screen Tests“, die er in den 1960er Jahren entwickelte. Im Gegensatz zu den Werken des amerikanischen Künstlers wählt Manchot ein Kind, das sie über den Zeitraum der Pubertät begleitet. Die Aufnahmen verdeutlichen diesen besonderen, physisch und psychisch tiefgreifenden Entwicklungsprozess. Der Wandel zeigt sich zunächst im Äußeren: in den veränderten Gesichtszügen sowie in wechselnden Frisuren und der Kleidung. Doch auch Mimik und Gestik verändern sich. Mal wendet sie den Blick ab, mal spielt sie mit der Kamera oder streicht sich durch das Haar, gibt sich gelangweilt, dann wieder schneidet sie leichte Grimassen oder deutet eine tänzerische Bewegung an. In manchen Filmsequenzen begegnet uns die Porträtierte schüchtern, in anderen selbstbewusst. Der Eindruck wechselt ständig zwischen dem Bemühen um Selbstdarstellung und authentischen, sensiblen Momenten.

Auf unterschiedlich großen, im Raum verteilten Röhrenbildschirmen zeigt Manchot Filmsequenzen, die abwechselnd ein- und ausgeblendet werden. Auf diese Weise rhythmisiert sie den Bilderfluss, schafft eine Komposition aus Film, Objekt und Raum. Das linear entwickelte Filmporträt wird in der Installation in Ausschnitten und aus ständig veränderten Perspektiven gezeigt. Die Wahl der antiquiert wirkenden Fernseh- und Videomonitore und der Super 8-Aufnahmen mit ihrer spezifischen Ästhetik stellen einen Bezug zur Alltagskultur, zur Intimität und gleichzeitigen kollektiven Erfahrung her.

Manchot zeichnet mit „11/18“ das eindringliche und sensible Portrait eines jungen Menschen, die Entwicklung von der Unbeschwertheit und Verspieltheit eines Kindes zu der freundlichen Ernsthaftigkeit einer jungen Erwachsenen.

Mehr Informationen zu Melanie Manchots Arbeit "11/18" im aktuellen Interview des i-D Magazines.